Stress Arbeit

Geschrieben von:Marcus Schmidt auf . Veröffentlicht in 4. Stress: Fakten statt Mythen

Was die Kombination Stress Arbeit verursachen kann

Wozu die Kombination Stress Arbeit führen kann, habe ich in zwei Artikeln der Tageszeitung „Die Welt“ wieder mit großer Betroffenheit gelesen.

Stress Arbeit

Stress und Arbeit

In dem ersten Artikel geht es um den Vorstandsvorsitzenden der Schweizer Telekom Swisscom. Carsten Schloter war ein erfolgreicher und charismatischer Manager.

Er war überaus aktiv, saß am Wochenende schon morgens um 06:00 Uhr auf dem Fahrrad, um den Sonnenaufgang zu genießen, hat an Extremsportwettkämpfen teilgenommen, konnte die Menschen begeistern – und hat sich Ende Juli das Leben genommen …

In Deutschland geboren, lebte Schloter 20 Jahre in Frankreich, wo er die Schule besuchte und Betriebswirtschaft in Paris studierte. Mitte der 80er-Jahre begann seine Karriere bei Mercedes Benz in Frankreich. Anfang der 90er wurde er Projektleiter bei der Gründung eines französischen Mobilfunkunternehmens von Mercedes und der Metro, bevor er zur Debitel und Anfang 2000 zur Swisscom wechselte.

Als charismatischer Macher, der hohes Ansehen in Wirtschaft und Politik genoss, wurde er 2001 Vorsitzender der Swisscom Mobile. Er war überaus erfolgreich und konnte die Kundenzahl der Swisscom Mobile mehr als verdoppeln. Folgerichtig wurde er 2006 Vorstandsvorsitzender der Muttergesellschaft Swisscom.

Viel Sport, insbesondere mit dem Fahrrad und Skifahren, beides auch auf Wettkampfniveau, nutzte er als Ausgleich für Kombi Stress Arbeit. Bis 2009 war er als Vater von drei Kindern glücklich verheiratet, bevor er aufgrund einer anderen Frau seine Familie verließ. Später bezeichnete er dies als größte Niederlage seines Lebens.

2011 wechselte der Vorsitzende des Verwaltungsrates der Swisscom und damit Schloter’s direkter Vorgesetzter. Sein neuer Chef kam aus dem Einzelhandel und hatte einen sehr detailorientierten Führungsstil. So diskutierte der neue Vorsitzende des Verwaltungsrates unter anderem Einzelbuchungen des Rechnungswesens und griff auch an anderen Stellen ins Tagesgeschäft ein. Dies ließ sich mit der unabhängigkeitsliebenden Persönlichkeit Schloters kaum vereinbaren.

Das Verhältnis Stress Arbeit verschlechterte sich immer weiter und führte dazu, dass Schloter beschloss, die Swisscom zu verlassen. In einem Interview im Mai 2013 beschrieb er seine Situation: „Ich habe immer größere Schwierigkeiten, zur Ruhe zu kommen, das Tempo herunterzunehmen. Es kommt irgendwann ein Punkt, wo Sie das Gefühl bekommen, nur noch von einer Verpflichtung zur nächsten zu rennen. Das schnürt Ihnen die Kehle zu“.

Als Konsequenz beschloss er nach Rückkehr aus seinem Urlaub, die Kündigung einzureichen. Dazu kam es jedoch nicht mehr und er wurde am 23.07.2013 tot aufgefunden.

Inwiefern sein Selbstmord beruflich oder privat motiviert war, ist bis heute ungeklärt. Mich hat allerdings tief berührt, wie ein auf den ersten Blick so erfolgreicher Manager wie Carsten Schloter innerhalb weniger Jahre tiefgreifende persönliche und berufliche Veränderungen erfährt, die ihn letztendlich in den Tod führen.

Gott sei Dank ist dies eine sehr seltene Ausnahme, allerdings fiel mir fast zeitgleich ein weiterer Artikel der WELT in die Hände, in welchem die Ergebnisse des AOK-Fehlzeiten-Reports 2013 vorgestellt wurden:

Demnach sind die Fehltage aufgrund der Einnahme von Suchtmitteln innerhalb der letzten zehn Jahre um fast 20 Prozent gestiegen! Zu Suchtmitteln werden im Rahmen der Studie Tabak, Alkohol und Medikamente gezählt und ein Drittel der Befragten bezeichnen sich als regelmäßige oder gelegentliche Raucher!

Allerdings muss ich gestehen, dass mich zwei kleinere Prozentsätze weitaus betroffener gemacht haben:

5,3 Prozent der Befragten haben angegeben, täglich Alkohol zu trinken – wahrscheinlich genügt dies der Definition von Alkoholismus nicht notwendigerweise, ist aber sicherlich mehr als bedenklich. Auch ist Alkoholismus von den Suchterkrankungen diejenige, welche am ehesten zu Krankschreibungen führt.

Weiter geben fünf Prozent der über 2.000 Befragten an, Medikamente zur Leistungssteigerung einzunehmen. Insbesondere jüngere Arbeitnehmer versuchen damit die Stressbewältigung zu verbessern. Bei den unter 30-Jährigen hat dies schon jeder Zwölfte angegeben und die Gesamtrate hat sich in den letzten zehn Jahren vervierfacht!

Im Kommentar zu dem Artikel wird allerdings aus meiner Sicht richtigerweise darauf hingewiesen, dass es hier nicht nur um den „Druck von oben“ geht, sondern auch viele Angestellte einfach Schwierigkeiten haben, die eigenen Belastungsgrenzen zu erkennen und damit für sich richtig umzugehen.

Ich hoffe, Sie hat dieser Artikel vielleicht auch ein wenig zum Nachdenken angeregt, denn sich einer Gefahr bewusst zu sein ist  der erste Schritt, damit richtig umzugehen.

Eine Lösungsmöglichkeit hierzu ist eine effektive Selbstführung. Lesen Sie viele Artikel zum Thema Selbstführung oder auch dem K.L.A.R. Selbstführungskonzept.

Die Originalartikel in der Welt finden Sie hier: Tod eines Topmanagers und Sucht nach Aufputschmitteln

Diesen Artikel können Sie hier auch als PDF herunterladen: Stress Arbeit

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Kommentare (1)

  • Sabine Koscheg

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    Hohe psychische Anforderungen im Arbeitsalltag

    Die Beschleunigung der Wertschöpfungsprozesse und die Steigerung der Produktivität pro Kopf in Unternehmen, fordert von MA eine erhöhte Leistungsfähigkeit, geht nicht selten an die Belastungsgrenzen und oft auch einen gesundheitlichen Tribut.

    Unterschiedlich sind dabei die negativen Anforderungen in den Arbeitsinhalten sowie den positiv wirkendenden Ressourcen in der sozialen Unterstützung und präventiven Handlungsspielräumen in den Betrieben.

    Unterschiedliche Berufsgruppen, Branchen und Altersgruppen verfügen über unterschiedliche Anforderungen in den Arbeitsinhalten und somit über unterschiedlich ausgeprägte Stressoren ( z. Bsp. Termin- und Leistungsdruck, ständige Unterbrechungen und Störungen bei der Arbeit, detailliert vorgeschriebene Arbeitsschritte, Multitasking, Nacht- und Schichtarbeiten entgegen der eigenen inneren Uhr, nicht eingehaltene Ruhezeiten zwischen den Schichten aufgrund von Personalmangel, usw….).

    Endergebnis sind Fehlzeiten, hohe Krankenraten, innere Kündigungen, Fluktuation um nur mal ein paar zu nennen. Von Motivation ist dabei wenig zu spüren und Visionen helfen nur dann, wenn es dem Mitarbeiter dabei auch gut geht, also die Rahmenbedingungen dafür geschaffen werden. Diese sollten  nicht nur Makulatur sondern im Unternehmen auch gelebt werden, sonst wird es keine nachhaltige Wirkung zeigen. Wenn man dies im Gesamtsystem betrachtet, ist es wohl sinnvoll mit einem ganzheitlichen Blick Anforderungen und Ressourcen zu verbessern/optimal zu gestalten. Dabei spielt nicht nur die werteorientierte Führung sowie ein verantwortlicher Umgang mit seinen eigenen Ressourcen, sondern auch der Arbeitsschutz, die Arbeitsplatzgestaltung und die Arbeitsorganisation/Prozessgestaltung eine entscheidende Rolle. Entwicklungen, die Zeit beanspruchen.

    Vielen Dank für den interessanten Artikel:-)

    Mit herzlichen Grüßen

    Sabine Koscheg

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